Stress raus. Ruhe rein.

Das Lazarus-Modell – Stress verstehen, bevor er uns überrollt

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Stress ist nicht nur das, was uns passiert – es ist vor allem die Art, wie wir es bewerten. Genau hier setzt das Lazarus-Modell an. Der Psychologe Richard S. Lazarus hat in den 1980er-Jahren ein Konzept entwickelt, das bis heute hilft, Stressreaktionen besser zu verstehen und zu steuern.

Stress ist eine Frage der Bewertung

Nach Lazarus entsteht Stress nicht einfach durch eine Situation an sich, sondern durch unsere individuelle Einschätzung:

  • Primäre Bewertung (primary appraisal): Wir fragen uns unbewusst: „Ist das eine Bedrohung, eine Herausforderung oder irrelevant für mich?“

  • Sekundäre Bewertung (secondary appraisal): Wenn wir eine Situation als relevant einstufen, überlegen wir: „Habe ich die Ressourcen, um damit umzugehen?“

Beispiel: Du stehst vor einer großen Präsentation.

  • Wenn du sie als Herausforderung siehst und dich gut vorbereitet fühlst, wirst du vielleicht sogar motiviert sein.

  • Wenn du sie als Bedrohung wahrnimmst und das Gefühl hast, nicht gewappnet zu sein, steigt dein Stresslevel rapide.

Coping – der Umgang mit Stress

Lazarus unterscheidet zwei grundlegende Coping-Strategien:

  1. Problemorientiertes Coping: Du versuchst, die Ursache des Stressors zu verändern oder zu beseitigen (z. B. dich besser vorbereiten, Aufgaben delegieren).

  2. Emotionsorientiertes Coping: Du versuchst, deine emotionale Reaktion zu regulieren (z. B. Entspannungstechniken, positive Selbstgespräche).

Welche Strategie wir wählen, hängt davon ab, wie kontrollierbar wir die Situation einschätzen.

Warum das Modell so wertvoll ist

Das Lazarus-Modell hilft uns, innezuhalten und zu erkennen, dass wir nicht Opfer der Umstände sind. Zwischen Reiz und Reaktion liegt immer die Interpretation – und die können wir beeinflussen.

Das bedeutet:

  • Selbstreflexion üben: Sich bewusst fragen: „Wie bewerte ich diese Situation?“

  • Ressourcen stärken: Fähigkeiten, Wissen, soziale Unterstützung und Selbstvertrauen ausbauen

  • Flexible Strategien entwickeln: Je nach Lage zwischen problem- und emotionsorientiertem Coping wechseln

Fazit

Das Lazarus-Modell erinnert uns daran, dass Stress kein festgelegtes Schicksal ist. Es ist ein Zusammenspiel aus Ereignis, Bewertung und Handlung – und in mindestens einem dieser Schritte haben wir immer Handlungsspielraum.

Oder in moderner Kurzform: „Nicht das Problem ist das Problem – sondern wie wir darüber denken.“

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